Pressespiegel


"Man sollte etwas an die Gesellschaft zurückgeben"

Lahrer Zeitung, 02.09.2014 19:51 Uhr

Von Christine Breuer

Lahr. "Engagement macht stark!" lautet das Motto der zehnten bundesweiten Aktionswoche des bürgerschaftlichen Engagements, an der sich das Mehrgenerationenhaus Lahr mit einem Tag der offenen Tür am 19. September beteiligt. Einer der Ehrenamtlichen ist Maurizio Poggio.Er ist viel in der Welt herumgekommen und ist auch heute noch gern unterwegs. Und was er da so alles gesehen und mit seiner Kamera festgehalten hat, das zeigt er gern in seinen Mediashows. Maurizio Poggio ist ehrenamtlich unterwegs als Vorleser und Referent. Ruhe und Zurückgezogenheit sind nicht Poggios Sache. 1947 in Essen geboren, absolvierte er nach der Schule eine Elektromechanikerlehre, bevor er sich bei der Marine verpflichtete. Mit dem Abi in der Tasche, das er bei der Bundeswehr ablegte, studierte er in Berlin Philosophie. Er bereiste die Kontinente und blieb in Griechenland hängen, wo er als Tagelöhner, Kleinbauer und Autor zehn Jahre verbrachte, bevor er zurück nach Deutschland kam. Hier verdiente er sich seine Brötchen als Unternehmensberater und Fotojournalist in Stuttgart, wo er auch seine Lebensgefährtin kennenlernte.

Aus einem Urlaub an der Côte d’Azur wurden zehn Jahre. Die Zeit dort nutzte Poggio dazu, Land und Leute zu erkunden, Bilder zu machen, die er zu Mediashows zusammengestellt hat. Außerdem hat er einige Bücher mit Gedichten, Kurzgeschichten und Märchen veröffentlicht.

Vor drei Jahren kamen die beiden wieder zurück und sind in Lahr hängen geblieben. Über das Begegnungshaus habe er sich in Lahr integriert, erzählt der mittlerweile 67-Jährige. Als Beirat der Stadtmühle, als Referent mit Multimediashows und auch als Vorleser ist er in Lahr bekannt. Und alles honorarfrei. Angefangen hatte die Vortragsreihe mit einer Anfrage. "Und dann wurde ich immer weiter gereicht." Mittlerweile hat er einen gut gefüllten Terminkalender

Als Vorleser ist der vierfache Vater und zweifache Großvater seit gut neun Monaten immer donnerstags von 14 bis 15 Uhr aktiv. Die anfangs fünf Kinder zählende Gruppe ist mittlerweile auf acht gewachsen. Poggio hatte dabei einen ganz einfachen Trick, sich die Herzen der Kinder zu erobern. "Ich habe immer Süßigkeiten mitgebracht. Natürlich nur die Minis. Aber heute darf ich nicht ohne kommen", erzählt er lachend. Wenn er bei den Kindern ist, liest er manchmal selbst vor, lässt aber auch die Kleinen lesen. Und er hat immer eine Spielbox mit Karten dabei. Auf den Karten stehen Begriffe auf Deutsch, auf der Rückseite sind sie in Englisch und Französisch zu finden. "Aber da wir ja auch türkische, russische und andere Sprachen unter uns haben, lasse ich die Kinder den Begriff immer auch in ihrer Heimatsprache sagen und auf die Karte schreiben."

Schachspieler und Buchautor

"Freizeit? Was ist Freizeit?", fragt er. Montags spielt er Skat in der Stadtmühle, donnerstags liest er vor, dazwischen spielt er Schach mit Freunden, schreibt Bücher und stellt seine Multimediashows zusammen. Und momentan arbeitet er an seiner Autobiografie.

Auf die Frage, warum er sich ehrenamtlich so engagiert, antwortet Poggio: "Ich hatte ein schönes, erfülltes und zufriedenes Leben. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben."

 

 

Geschichten eines Weltenbummlers

Maurizio Poggio zieht die Zuhörer in seinen Bann.

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.  Fr, 26. Juni 2015

von Bettina Schaller

LAHR. Geschichten aus aller Welt hat Maurizio Poggio, der Globetrotter, aus Anlass der Lahrer Literaturtage im Bürgerzentrum Treffpunkt Stadtmühle erzählt. Seine Zuhörer hängen an seinen Lippen, um den Worte des Journalisten und Fotografen zu folgen, der von seiner knapp vier Jahre langen Weltreise erzählt. Doch wer ist dieser Maurizio Poggio, der erst vor knapp vier Jahren seine Zelte in Lahr aufgeschlagen hat.
Der graumelierte ältere Herr unterhält Monat für Monat die Bewohner von Seniorenhäusern in Lahr und Umgebung. Er nimmt sie mit auf die Reisen, die er unternommen hat. "Ich will dem Leben etwas zurück geben", sagt Poggio dazu. Ein Leben, das er mit seinen Reisen wiedergewonnen hat. Die hat der Mann aus der 68er-Generation Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre unternommen.
Als Grund dafür nennt Maurizio Poggio "einen Lebenszwischenfall", den viele Menschen aus der Bahn geworfen hätte. Seine junge Familie, Kinder und Ehefrau, sind bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Er hat überlebt. Nach mehrwöchigem Koma ist er aufgewacht mit einem Gefühl "zwischen Weiterlebenwollen, müssen und Selbstmord."
Maurizio Poggio hatte zuvor zwölf Jahre lang als Mechaniker, Lampenverkäufer, Zeitschriftenwerber, Philosophiestudent und selbstständiger Unternehmer in Berlin gearbeitet. Nach der Entscheidung weiterzuleben, ließ er alles liegen und stehen. "Damals habe ich beschlossen, nach Osten zu ziehen", erzählt Maurizios Poggio. Zuvor habe er Haus und Hof verkauf, als Backpacker sei er losgezogen. "Manchmal hatte ich Hunger, kein Geld", irgendwie sei es immer weitergegangen. Und dafür sei er dankbar.
In Marokko, genauer gesagt in Marrakesch angekommen, nimmt Maurizio Poggio seine Zuhörer an die Hand und spaziert mit ihnen über den zentralen Marktplatz, so lebensnah erzählt, dass die Wohlgerüche des Orients förmlich zu riechen, zu schmecken, zu fühlen sind. Der Erzähler zieht lange fette Meeresschnecken aus ihren Häuschen, um sie in Weißweinsud zu tauchen und zu verzehren. Dann gibt’s eine braune dunkle Brühe mit einem ebenso dunklen Stück Kuchen, alles entpuppt sich als eine reine Pampe aus Zimt – "sehr gewöhnungsbedürftig –, um schließlich eine Linsensuppe à la Hochatlas zu verspeisen.
Weiter geht’s über die ostanatolische Hochebene von Teestube zu Teestube, um von Ankara nach Teheran zu gelangen. Mit einer Fähre geht es über den Vansee. Die Überfahrt wird ein Marathon der Seefahrt mit anatolischer Gastfreundschaft. Maurizio Poggio lässt das Leben auf sich regnen, den Wind der großen weiten Welt um die Nase wehen und erzählt Geschichten aus Südamerika, Asien. Im wirklichen Leben endet seine Odyssee in Südgriechenland, der Halbinsel Mani, auf der Peloponnes. Dort arbeitete er naturverbunden viele Jahre als Tagelöhner, Kleinbauer und freier Schriftsteller in der Abgeschiedenheit eines kleinen Dorfes. Dort verliebt sich auch eine deutsche Touristin in den Weltenbummler. Als der gemeinsame Sohn Alexis schulpflichtig wird, kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Sesshaft wird er dort zunächst nicht. Im Jahr 2000 zieht es ihn nach Südfrankreich, wo er als freier Schriftsteller und Fotograf arbeitete. Die Nähe zu Frankreich, gutes Essen und schönes Wetter waren der Grund, dass Poggio und seine Frau sich vor vier Jahren in Lahr niederließen.